Alte Kapellenschule

Besichtigungen nach Vereinbarung möglich


Unverwechselbare Geschichte

In den Jahren 1774/75 wurde in der Ortsmitte Eisern als Ersatz für die alte Kapelle eine neue Kapellenschule erbaut. Bei dem Neubau handelte es sich um einen langgestreckten Baukörper, der im westlichen Teil den Schulraum und im östlichen Teil den Kapellenraum enthält. Der Eingang wurde in der Mitte zur Straßenseite angeordnet. Die Haustür befindet sich an der Burgseite.

Mit Beginn der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl stark an, so dass der vorhandene Schulraum nicht mehr ausreichte.
1862 entschloss man sich, den Schulteil der Kapellenschule abzubrechen und durch einen größeren zweigeschossigen Anbau mit Glockenturm zu ersetzten.Gleichzeitig wurden wesentliche Umbauten im Kapellenraum vorgenommen. Die Orgel fand auf einer eigens dafür errichteten Bühne einen neuen Platz, eine erhöhte Kanzel wurde eingebaut, und Besucher konnten von der geschaffenen Empore dem Gottesdienst beiwohnen.

Selbst dieser neu geschaffene Schulraum reichte nach kurzer Zeit nicht mehr aus. Man entschloss sich 1878/79 für einen Schulneubau am Heuper (heute Schulstraße).

Umbauarbeiten legten alte Fundamente frei

Nach der Einweihung des erweiterten Schulgebäudes am Heuper (Schulstraße) im Jahre 1930 hat die Alte Schule als Schulgebäude ausgedient. Der freigewordene große Schulraum soll nun, unter Einbeziehung des Treppenhauses, der Kapelle angegliedert und mit genutzt werden.

Die Umbauarbeiten 1932/33 an der Kapelle gingen so zügig voran, dass schon im Juli 1933 die Wiedereinweihung möglich war.
Der Haupteingang befand sich nun auf der Nordseite. Auch Platz für eine kleine Kaffeeküche wurde geschaffen.
Im Kapellenschiff löste ein Dielenboden den alten Steinbelag ab. Beim Tieferlegen des Fußbodens entdeckte man eine Fundamentmauer, die etwa in der Diagonalen der heutigen Kapelle verlief. Man kann davon ausgehen, dass diese zu den Fundamenten der Vorgängerkapelle gehört haben.
Gleichzeitig wurden weitere bauliche Veränderungen durchgeführt, die Kapellendecke wurde angehoben, der Schulsaal im Obergeschoss zur Kapelle geöffnet und die Kanzel neu angeordnet.

 

Kapellenschule wird zu Heimatmuseum

Mit der Einweihung der neuen Ev. Kirche im März 1958 endete die Nutzung der Kapellenschule für Gottesdienste oder andere kirchliche Feierlichkeiten.
In den folgenden Jahren wurde der ehemalige Schulraum im Obergeschoss für Vereins- und Familienfeiern und öffentliche Veranstaltungen genutzt.

Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde beschlossenen, in der  Kapellenschule eine Heimatstube einzurichten. Die Alternative dazu wäre der Abriss und die Bereitstellung von Parkplätzen auf diesem Grundstück gewesen.

Mit der Einweihung des neuen Bürgerhauses (In der Bitze) im Januar 1980 endete die Nutzung des Schulraumes im Obergeschoss der Kapellenschule für die Vereins- und Familienfeiern. Der neuen Nutzung als Heimatmuseum stand somit nichts mehr im Wege. Mit Unterstützung der Stadt Siegen und des Amtes für Denkmalschutz wurde mit der Vorbereitung der Umbauarbeiten in der historischen Kapellenschule begonnen. Bei der Räumung des Gebäudes fanden sich u. a. sämtliche Akten der ehemaligen Gemeinde Eisern. Diese werden seit dem im Stadtarchiv der Stadt Siegen aufbewahrt.

1983 wurde mit den Umbauarbeiten in der Kapellenschule begonnen. Zu dem ersten Bauabschnitt gehörten der Schulraum im Obergeschoss, der Versammlungsraum, die Sakristei, die Toilettenanlage, die Heizung und der Flur.

Bereits im Mai 1984 sind die großzügigen Ausbauarbeiten des ersten Bauabschnitts im Inneren der Eiserner Kapellenschule geendet und Stadtrat Stratmann übergibt als Vertreter der Stadt Siegen die Schlüssel an den Eiserner Heimatverein.

 

Ein Ort vieler einzigartiger Erinnerungen

Am 20. April 1985 wurde die neu eingerichtete Heimatstube in dem ehemaligen Schulraum im Obergeschoss erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte eine umfangreiche Sammlung ganz unterschiedlicher  Ausstellungstücke präsentiert werden, die dank der Mithilfe vieler Eiserner Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt wurden.
Grundstock der Sammlung waren und sind Gegenstände, die bereits vom Lehrer Ermert für den Heimatverein in den 50er Jahren zusammengetragen wurden und über die Jahre in der Eiserner Volksschule und später in dem Grundschulgebäude  aufbewahrt wurden.

 Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten des Kappellenraumes wurde am 30. Januar 1988 das Heimatmuseum offiziell durch den stellv. Bürgermei­ster der Stadt Siegen Herrn Wunderlich eröffnet. Die neue Ausstellung in der Kapelle stand unter dem Motto "Bergmann und Glaube". Sie wurde mit Unterstützung des Siegerlandmuseums zusammengestellt und mit wertvollen Bibeln als Leihgaben des Stadtarchivs der Stadt Siegen erweitert.

Nach Umstellung der Heizungsanlage auf eine energie- und umweltschonende Niedertemperaturtechnik im Jahre 1993 konnte der bisherige Öllagerkeller ebenfalls als Ausstellungsraum genutzt werden. Zwei Jahre später sind die Umbauarbeiten mit der Einrichtung einer kleinen landwirtschaftlichen Ausstellung abgeschlossen.

Heute können in der Kapellenschule Exponate aus der Bergmannsgeschichte, Landwirtschaft, Haubergwesen, Handwerk und aus der Kirchengeschichte in Eisern und darüber hinaus aus dem gesamten Siegerland und Nachbargebieten besichtigt werden. Es ist ein beschaulicher und zugleich ein lehrhafter Ort der Erinnerungen und Bildung für ganz unterschiedliche Personenkreise, alle Altersgruppen und Besucher aus nah und fern geworden.

 

 

Quelle:
-        700 Jahre Eisern, Festschrift zum Ortsjubiläum 1989, Arbeitsgemeinschaft Eiserner Vereine  im Heimatverein Eisern e.V.
-        75 Jahre Heimatverein Eisern e.V., Festschrift zum Jubiläum 2003, Heimatverein Eisern e.V.
-        Festschrift 725 Jahre Eisern, 2014, Arbeitsgemeinschaft der Eiserner Vereine e.V.